Dr. med. Regina Heilmann-Seipelt, Fachärztin für Allgemeinmedizin, Naturheilverfahren


Ein Vorwort

Homöopathen haben ein völlig anderes Verständnis von Krankheitsentstehung als Schulmediziner. Das macht die Therapie und auch die Heilungsverläufe unverständlich für den Laien, der nur die Schulmedizin kennt. Viele Kenntnisse der Homöopathen sind aber den Schulmedizinern nicht bekannt, da sie nicht an der Universität gelehrt werden.

Die Entstehung der Homöopathie

Offiziell entdeckte Dr. Samuel Hahnemann die Homöopathie 1790 durch seinen "Chinarindenversuch". Chinarinde wurde damals von den Schulmedizinern zur Heilung von Malaria eingesetzt. Da Hahnemann sich als Arzt, Chemiker und Apotheker sehr für die Wirkungsweisen der Arzneien interessierte, nahm er die Chinarinde zu sich und wartete ab, was passierte. Er stellte fest, dass die rohe Chinarinde Malariasymptome auslöste, die nach einigen Stunden wieder verschwanden. Die Symptome erneuerten sich mit jeder Einnahme. Diese Beobachtung brachte ihn auf den Gedanken, dass ein Stoff, der bestimmte Symptome auslösen kann, diese auch heilen können muss. Und tatsächlich kann man Malaria mit Chinarinde heilen, wenn die Symptome übereinstimmen.

Was ihn störte, waren die großen Mengen an Arznei, mit denen Patienten behandelt wurden. Dies ging angeblich so weit, dass man bei Sektionen Quecksilberkügelchen im Patienten fand. Quecksilber wurde in hohen Dosen zur Behandlung von Syphilis verwendet. Er versuchte also, die Dosierung immer weiter zu vermindern, wobei er dann auch zum Potenzieren kam. Das heißt, man verreibt eine Ursubstanz (tierische, pflanzliche oder metallische Ausgangsstoffe wie Biene, Arnica, Gold) oder macht ein alkoholisches Extrakt von Pflanzenteilen. Dann nimmt man einen Teil hiervon, gibt eine bestimmte Menge Alkohol dazu, verschüttelt dieses Gemisch, nimmt hiervon einen Teil, gibt wieder eine bestimmte Menge Alkohol dazu und verschüttelt wieder. Diesen Vorgang wiederholt man, bis man zur gewünschten Potenz gekommen ist. Der Erfolg dieses Vorgehens war, dass man weniger Nebenwirkungen fand - bei gleichzeitig stärkerer Wirksamkeit.

So heilte Hahnemann zuerst akute Krankheiten. Berühmt geworden ist er durch Heilungen ganzer Epidemien von Scharlach, Cholera und Typhus. So breitete sich z.B. bei einer Schlacht vor Leipzig in der Stadt Typhus aus. Die Sterblichkeit lag bei 90%. Hahnemann behandelte 181 Patienten, von denen 180 überlebten. Der einzige Todesfall war der eines Greises.

Hahnemann hatte also große Erfolge in der Behandlung der akuten Krankheiten. Er hatte aber auch Probleme. So kamen manche akuten Erkrankungen wieder, wurden behandelt, kamen wieder, bis das gegebene Mittel nicht mehr wirkte. Oder auf akute Krankheiten folgten Nachkrankheiten, wie z.B. Nieren- oder Herzerkrankungen nach Mandelentzündungen. Er vermutete chronische Prozesse hinter diesen Erscheinungen. Chronisch bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, dass es sich um Erkrankungen handelt, die länger als 6 Wochen dauern, sondern es sind Prozesse, die einem in die Wiege gelegt werden oder auch erworben werden können. Diese Prozesse laufen bis zum Lebensende fort und führen am Ende zu Krebs, Arteriosklerose, Diabetes, Rheuma,... Hahnemann und die folgenden Homöopathen stellten also fest, dass bestimmte vererbte oder erworbene Krankheiten über Jahre oder jahrzehnte Hinweg zu schweren Krankheiten führen können. Diese Krankheiten werden Miasmen genannt. Miasma kommt aus dem Griechischen und bedeutet Befleckung.



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